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Fake Bewertungen erkennen: Muster, Beispiele und was rechtlich gilt

Stand · Redaktion geprüft.com · Lesezeit 5 Min.

Kurz gesagt. Fake Bewertungen fallen selten einzeln auf, aber fast immer im Muster: Schübe zur gleichen Zeit, Profile ohne Geschichte, austauschbare Texte, Fünf Sterne ohne Streuung. Gekaufte Bewertungen sind in der EU als unlautere Geschäftspraktik verboten, für den Auftraggeber genauso wie für den Verkäufer. Wer betroffen ist, sollte dokumentieren, melden und die Stellungnahme nutzen.

Woher wir das wissen. geprüft.com ist ein Prüfsystem für Unternehmensbewertungen: Wir beobachten Bewertungsbestände in festem Takt, rechnen nach einem veröffentlichten Katalog, wie belastbar ein Durchschnitt ist, und veröffentlichen jeden Prüfbericht im Portal. Dieser Text kommt aus dieser Praxis.

Fake Bewertungen sind kein Randphänomen. Wer Bewertungen kauft, findet Anbieter in Minuten; wer Konkurrenten schaden will, braucht nur ein paar Konten. Trotzdem fällt die Manipulation selten beim Lesen einer einzelnen Bewertung auf. Sie fällt im Muster auf. Dieser Artikel zeigt die Muster, erklärt die Rechtslage in Österreich und Deutschland in Grundzügen und sagt, was betroffene Unternehmen tun können.

Drei Arten von Fake Bewertungen

Der Begriff deckt sehr unterschiedliche Dinge ab, und die Unterscheidung ist wichtig, weil sie unterschiedlich erkennbar sind.

  • Gekaufte Lobbewertungen. Ein Unternehmen bezahlt für Fünf-Sterne-Bewertungen, meist über Agenturen, die Konten in großer Zahl betreiben. Ziel ist ein besserer Schnitt und mehr Sichtbarkeit.
  • Erfundene Negativbewertungen. Ein Konkurrent, ein ehemaliger Mitarbeiter oder ein verärgerter Kunde bewertet mit erfundenen oder überzogenen Vorwürfen, oft über mehrere Konten.
  • Angestiftete Bewertungen. Echte Kunden bewerten, aber gegen Gegenleistung oder auf Anweisung mit vorgegebenem Text. Die Erfahrung ist real, die Bewertung ist es nicht.
Zwei Zeitverläufe über 24 Wochen: Ein echter Betrieb bekommt gleichmäßig Bewertungen, gekaufte Pakete zeigen sich als Schübe mit Stille dazwischen Bewertungen je Woche: echter Betrieb 24 Wochen gleichmäßig, mit kleinen Wellen Bewertungen je Woche: gekaufte Pakete 24 Wochen Schübe, dazwischen Stille
Bewertungen je Woche über ein halbes Jahr. Oben ein echter Betrieb, unten gekaufte Pakete: Der Schub ist das Muster, das am leichtesten auffällt.

Die Muster, an denen man sie erkennt

Schübe

Das verlässlichste Merkmal gekaufter Bewertungen ist der Zeitverlauf. Agenturen liefern in Paketen, und Pakete hinterlassen Spuren: zehn oder zwanzig Bewertungen innerhalb weniger Tage, dazwischen Stille. Ein echter Betrieb bekommt Bewertungen so, wie er Kunden bedient, also gleichmäßig mit saisonalen Wellen. Sortieren Sie nach Datum und schauen Sie auf die Abstände.

Profile ohne Geschichte

Konten, die genau eine Bewertung abgegeben haben, gibt es viele, und die meisten sind echt. Verdächtig wird es, wenn ein Schub überwiegend aus solchen Konten besteht, wenn die Konten alle innerhalb weniger Wochen angelegt wurden, oder wenn sie für einen Installateur in Wien auch ein Hotel in Bangkok und einen Zahnarzt in Berlin bewertet haben.

Austauschbare Texte

Echte Bewertungen erzählen etwas Konkretes: welche Leistung, welches Problem, welcher Mitarbeiter. Gekaufte Bewertungen loben allgemein: "Super Service, sehr zu empfehlen, gerne wieder." Lesen Sie fünf Fünf-Sterne-Bewertungen hintereinander. Wenn Sie danach nicht wissen, was das Unternehmen eigentlich tut, ist das ein Signal.

Keine Streuung

Ein makelloser Bestand ist bei kleinen Betrieben normal und bei großen selten. Ab einigen hundert Bewertungen ohne einen einzigen Vierer wird es unwahrscheinlich, dass jeder Kunde restlos zufrieden war. In der Bewertungskonfidenz zählt diese Auffälligkeit als eigenes Signal, mit steigendem Gewicht ab 50 Bewertungen.

Verschwindende Bewertungen

Google entfernt gekaufte Bewertungen oft mit Verzögerung. Ein Bestand, der schrumpft, verrät deshalb häufig im Nachhinein, was zuvor gekauft wurde. Wer Bestände wöchentlich beobachtet, sieht diese Abgänge; wer nur den heutigen Stand sieht, sieht sie nicht.

Beispiel: Wie ein gekaufter Bestand aussieht

Ein Umzugsunternehmen hat 180 Bewertungen und einen Schnitt von 4,9. Nach Datum sortiert zeigt sich: 60 Bewertungen stammen aus drei Wochen im Frühjahr, davon 55 Fünfer von Konten mit genau einer Bewertung. Die Texte nennen kein einziges Mal, was umgezogen wurde. Im Sommer verschwinden 30 dieser Bewertungen. Der verbleibende Bestand hat einen Schnitt von 4,4 mit normaler Streuung, der vermutlich der ehrlichen Leistung entspricht. Für Kunden ist die 4,4 die wertvollere Zahl.

Die Rechtslage in Grundzügen

Seit der Umsetzung der EU-Omnibus-Richtlinie 2022 ist die Rechtslage klarer als früher. Zwei Dinge sind ausdrücklich verboten: Bewertungen als Verbraucherbewertungen darzustellen, ohne angemessen zu prüfen, ob sie von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt haben; und gefälschte Bewertungen abzugeben oder in Auftrag zu geben. In Deutschland stehen beide Praktiken auf der schwarzen Liste im Anhang zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, in Österreich wurde die Richtlinie im UWG gleichlautend umgesetzt.

Das bedeutet in der Praxis:

  • Wer Bewertungen kauft, handelt unlauter, unabhängig davon, ob die Bewertungen inhaltlich stimmen. Mitbewerber und Verbraucherschutzverbände können auf Unterlassung klagen.
  • Wer Bewertungen gegen Gegenleistung sammelt, muss das kenntlich machen. Ein Gutschein für eine Bewertung macht die Bewertung zur Werbung.
  • Wer erfundene Negativbewertungen über ein Unternehmen verbreitet, riskiert zusätzlich zivilrechtliche Ansprüche wegen Kreditschädigung und in Österreich auch strafrechtliche Folgen, etwa nach den Bestimmungen über üble Nachrede.
  • Plattformen dürfen und müssen Bewertungen entfernen, die gegen ihre Richtlinien verstoßen; Google verbietet unter anderem Anreize, Bewertungen durch Mitarbeiter und Bewertungen im Auftrag.

Das ist eine Skizze, keine Rechtsberatung. Im konkreten Fall, besonders bei erfundenen Negativbewertungen, hilft ein Anwalt mit Erfahrung im Wettbewerbs- und Medienrecht.

Was betroffene Unternehmen tun können

Wer erfundene Negativbewertungen bekommt, hat vier Schritte, in dieser Reihenfolge.

  1. Sichern. Bildschirmfotos mit Datum, Profilname und Text. Bewertungen verschwinden manchmal, bevor jemand sie beurteilt hat.
  2. Melden. Bei der Plattform mit Begründung: keine Geschäftsbeziehung, Vorwurf unzutreffend, Verdacht auf Konkurrenz. Google prüft Meldungen, aber langsam und ohne Rückmeldung; hartnäckig bleiben.
  3. Antworten. Öffentlich, kurz, sachlich: dass es zu dieser Person keinen Auftrag gibt, und dass man für ein Gespräch erreichbar ist. Die Antwort lesen künftige Kunden, nicht der Verfasser.
  4. Prüfen lassen. Ein Prüfbericht, der den übrigen Bestand als belastbar ausweist, nimmt einer einzelnen Attacke die Wirkung. Das ist auch der Grund, warum geprüft.com Rückgänge und Schübe getrennt betrachtet: Ein Angriff von außen soll nicht als Manipulation des Unternehmens gewertet werden.

Und wenn man selbst in Versuchung ist

Die Versuchung ist real, besonders am Anfang, wenn der Bestand klein ist. Der Rat ist trotzdem eindeutig: nicht kaufen, auch nicht "nur fünf zum Start". Gekaufte Bewertungen sind das Muster, das am leichtesten auffällt, sie werden mit Verzögerung entfernt, sie sind rechtlich angreifbar, und sie machen jede spätere echte Bewertung verdächtig. Ein Bestand von zwölf echten Bewertungen ist mehr wert als einer von hundert, dem niemand traut.

Häufige Fragen

Sind Fake Bewertungen strafbar?

Gekaufte oder erfundene Bewertungen sind in der EU als unlautere Geschäftspraktik verboten; in Deutschland stehen sie seit 2022 ausdrücklich auf der schwarzen Liste des UWG, in Österreich wurde die Regelung gleichlautend umgesetzt. Das ist zunächst Wettbewerbsrecht mit Unterlassung und Schadenersatz. Je nach Fall kommen Betrug, Kreditschädigung oder Verleumdung dazu, etwa bei erfundenen Negativbewertungen über Konkurrenten.

Wie erkenne ich gekaufte Bewertungen auf Google?

Achten Sie auf Schübe (viele Fünf-Sterne-Bewertungen an wenigen Tagen), auf Profile mit nur einer Bewertung oder Bewertungen in weit entfernten Städten, auf Texte, die austauschbar klingen, und auf einen Bestand ohne jede Streuung. Kein einzelnes Merkmal ist ein Beweis, die Häufung ist das Signal.

Was tun, wenn mein Unternehmen gefälschte Negativbewertungen bekommt?

Sichern Sie Bildschirmfotos mit Datum, melden Sie die Bewertung bei der Plattform mit Begründung, antworten Sie öffentlich sachlich und kurz, und dokumentieren Sie, dass es zu dieser Person keine Geschäftsbeziehung gibt. Bei erkennbar rufschädigenden Aussagen lohnt ein Anwalt; eine Prüfung Ihres Bestands durch Dritte macht sichtbar, dass der Rest belastbar ist.

Darf ich Kunden für eine Bewertung etwas schenken?

Google verbietet Anreize für Bewertungen, und rechtlich gilt eine Bewertung gegen Gegenleistung als bezahlt, also als Werbung, die als solche erkennbar sein muss. Bitten Sie um Bewertungen, aber ohne Gutschein, Rabatt oder Gewinnspiel.

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