geprüft.com › Hub › kununu-Bewertungen: Was sie aussagen und was Unternehmen tun dürfen
kununu-Bewertungen: Was sie aussagen und was Unternehmen tun dürfen
Stand · Redaktion geprüft.com · Lesezeit 3 Min.
Woher wir das wissen. geprüft.com ist ein Prüfsystem für Unternehmensbewertungen: Wir beobachten Bewertungsbestände in festem Takt, rechnen nach einem veröffentlichten Katalog, wie belastbar ein Durchschnitt ist, und veröffentlichen jeden Prüfbericht im Portal. Dieser Text kommt aus dieser Praxis.
kununu ist im deutschsprachigen Raum die wichtigste Plattform für Arbeitgeberbewertungen, und sie folgt anderen Regeln als Kundenbewertungsportale. Wer als Unternehmen mit einem schlechten Profil dasteht, greift oft zu den falschen Mitteln. Wer als Bewerber ein Profil liest, überschätzt oft die Aussagekraft einzelner Einträge.
Was kununu anders macht
Bewertet wird anonym, und das ist der Kern. Anders als bei einer Kundenbewertung, bei der ein Name am Profil hängt, schreiben hier Menschen über ihren Arbeitgeber, oft im laufenden Arbeitsverhältnis. Ohne Anonymität gäbe es die Plattform nicht.
Bewertet wird in mehreren Kategorien, von Arbeitsatmosphäre über Vorgesetztenverhalten bis Gehalt, auf einer Skala bis fünf. Der angezeigte Gesamtwert ist ein Mittel daraus. Getrennt erfasst werden Bewertungen von Mitarbeitenden, Bewerbern und Auszubildenden.
Die Anonymität hat eine Folge, die Unternehmen unterschätzen: Sie können eine Bewertung nicht einer Person zuordnen, und der Versuch, es doch zu tun, ist der schwerste Fehler im Umgang mit der Plattform.
Die typische Verzerrung
Wer bewertet einen Arbeitgeber freiwillig? Überwiegend Menschen mit einem Anlass, und Anlässe entstehen häufiger beim Gehen als beim Bleiben. Deshalb sind kununu-Bestände oft zweigeteilt: sehr gute Bewertungen von Zufriedenen, die aktiv gebeten wurden, und sehr schlechte von Ausgeschiedenen.
Für Bewerber heißt das: Lesen Sie nicht den Durchschnitt, sondern die Verteilung und die Datumsangaben. Zehn Einsen aus einem Quartal und danach Ruhe sehen anders aus als ein gleichmäßiges Bild über drei Jahre. Achten Sie auch darauf, ob die Kritik konkret wird. „Schlechte Führung“ ist wenig wert, „Dienstpläne kommen freitags für die Folgewoche“ ist eine überprüfbare Angabe.
Was Unternehmen tun dürfen und was nicht
Erlaubt und sinnvoll: die Belegschaft allgemein und ohne Druck auf die Möglichkeit hinweisen, zu bewerten. Auf Bewertungen antworten, sachlich und ohne Details, die auf eine Person schließen lassen. Falsche Tatsachenbehauptungen der Plattform melden.
Nicht erlaubt: Bewertungen gegen Gegenleistung, Bewertungen durch die Personalabteilung, Aufforderungen mit Zeitdruck an alle gleichzeitig. Letzteres fällt auch ohne Prüfung auf, weil zwanzig Bewertungen in einer Woche ein Muster erzeugen, das jeder Leser erkennt.
Der schwerste Fehler: der Versuch, den Verfasser zu identifizieren. Wer in einer Antwort schreibt „Der Kollege aus der Nachtschicht im März weiß, dass wir das anders besprochen haben“, hat die Anonymität faktisch aufgehoben und beschädigt sein Profil nachhaltiger als jede schlechte Bewertung.
Wenn eine Bewertung falsch ist
Auch anonyme Bewertungen dürfen keine falschen Tatsachen behaupten. Wer nie im Unternehmen gearbeitet hat, darf es nicht bewerten, und die Plattform prüft auf Hinweis nach, ob ein Beschäftigungsverhältnis plausibel ist. Ein Meldeweg dafür ist eingerichtet.
Was dagegen bleibt, ist harte, aber zutreffende Kritik, auch wenn sie einseitig ist. Wo die Grenze zwischen zulässiger Meinung und angreifbarer Tatsachenbehauptung verläuft, haben wir für Kundenbewertungen beschrieben; die Unterscheidung gilt hier genauso.
Warum wir kununu nicht prüfen
geprüft.com beobachtet Bewertungsbestände von Kunden, nicht von Mitarbeitenden. Der Grund ist inhaltlich: Unsere Kriterien messen, ob ein Bestand gewachsen oder gemacht ist, und sie stützen sich dabei auf Verlauf, Verteilung und Abgänge in einem offenen Bestand. Ein anonymer Arbeitgeberbestand mit systematisch anderer Teilnahmemotivation lässt sich damit nicht sinnvoll bewerten.
Für Unternehmen heißt das: Ein gutes Ergebnis bei uns sagt nichts über Ihre Arbeitgeberbewertungen, und ein schlechtes kununu-Profil sagt nichts über Ihren Kundenbestand. Es sind zwei getrennte Fragen, und sie sollten auch getrennt behandelt werden.
Häufige Fragen
Wie aussagekräftig sind kununu-Bewertungen?
Der Durchschnitt allein sagt wenig, weil überwiegend Menschen mit Anlass bewerten und Anlässe häufiger beim Ausscheiden entstehen. Aussagekräftig sind die Verteilung, der zeitliche Verlauf und ob die Kritik konkret wird.
Darf ich Mitarbeitende um eine kununu-Bewertung bitten?
Allgemein und ohne Druck ja. Unzulässig sind Gegenleistungen, Bewertungen durch die Personalabteilung und Aufforderungen mit Zeitdruck an alle gleichzeitig. Zwanzig Bewertungen in einer Woche erzeugen ein Muster, das jeder Leser erkennt.
Kann ich eine falsche kununu-Bewertung entfernen lassen?
Wenn jemand bewertet, der nie im Unternehmen gearbeitet hat, prüft die Plattform das auf Hinweis nach. Harte, aber zutreffende Kritik bleibt dagegen stehen, auch wenn sie einseitig ist.
Was ist der häufigste Fehler im Umgang mit kununu?
Der Versuch, den anonymen Verfasser zu identifizieren, etwa durch Details in der Antwort. Das hebt die Anonymität faktisch auf und beschädigt das Profil nachhaltiger als die Bewertung selbst.